#225-226 Geliehene Zeit, zwei Umdrehungen - Severus & Hermine
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Ich freue mich über eine positive Bewertung von dir und wünsche dir nun ganz viel Spaß
mit der neuen Folge Blomos.
Ihr Lieben, ihr wisst noch mit was es geendet hat beim letzten Mal.
Ja, unbeschriebenes Blatt kommt auf sehr wilde Ideen.
Daher ist natürlich das heutige Emoji ein Maler, eine Malerin oder ein Pinsel.
Poste das gerne unten in die Kommentare und jetzt viel Spaß bei Kapitel 225 "Was für
ein Akt".
Aktmalerei?
Lilly starte ausdruckslos auf den Fetzenpergament in Bredikas Hand.
Seine Pinsel werden dir die Richtung weisen.
Ich, ich habe das nicht geschrieben, rief Jean bestürzt aus, keine Ahnung warum das da
steht.
Aber es ist deine Handschrift, meinte Lilly verwirrt und gab Bredika ein Zeichen ihr
den Zettel zu zeigen, was diese auch tat.
"Sehr reich an Einfall", sagte das Mädchen aus Dermstrang nachdenklich.
"Mit dir stimmt das nicht Jean, an deiner Stelle würde ich mal rauf zu Poppy gehen
und das schnell."
Frühjahr startte Jean an, als wäre sie ein flupper Wurm, den es gleich zu setzieren
galt.
Jean wurde übel.
Noch nie hatte jemand, mit dem sie in eine Klasse ging, sie so verächtlich angesehen.
"Ich find's lustig", niemand hatte bemerkt, dass sich die Rumtreiber in der Zwischenzeit
ebenfalls am Gryffindor Tisch eingefunden hatten.
"Das ist doch das mit den Nackedies oder?"
James kicherte.
"Meine Stimme hast du Perlmann.
Und du willst doch nicht Modell stehen Evans, jeder Junge ab Klasse 3 aufwärtswürdig malen
wollen."
Lilly schenkte seinen Blödelein keine Beachtung.
Während sich alle in unmittelbarer Nähe über das Wort Aktmalerei lustig machten, nahm
sie Jean beiseite.
"Es tut mir leid, ich habe es leider nicht geschafft, Amanda einzuholen.
Sie nickte zu einer Viertklässlerin hinüber, die weiter unten am Tisch saß und sich königlich
zu amüsieren schien, weil alle ringsum sitzenden an ihren Lippen hängen.
Sie ist gleich aus dem Turm gerannt und dabei Bertha Jorkens direkt in die Arme gelaufen."
Jean wusste, was das bedeutete.
Bertha war immer für Klatsch und Tratsch zu haben.
Jean kannte das Dicke und stets mürisch wirkende Mädchen nicht gut, sie war ein paar Jahre
älter als sie und tatte sich, soweit sie wusste nie durch Intelligenz hervorgetan.
Eigentlich spielte sie keine große Rolle in Hogwarts, nicht so wie Norderl Nielsen oder
Serious Black, die jeder kannte.
Aber bei der Verbreitung von Gerüchten war sie unschlagbar.
"Dunkel laufen", sagte Jean, "nicht ohne Ironie."
"Sehr dumm", bestätigte Lilly säufzend.
"Hört zu, ich verstehe dich nicht, Jean.
Das vorhin oben im Schlafsaal, das hätte jeder von uns passieren können.
Ja, ich weiß, die halbe Schule weiß es schon, und nach dem Essen wird es jeder Einzelne
im Schloss wissen.
Dein Hollunderhexentum hat etwas Anrühchiges, weil es Mädchen und Frauen einfach nicht
vergönnt ist, selbstbestimmt mit ihrer Sexualität umzugehen.
Im Tagespropheten stand neulich, das würde sich in den Siebzigern ändern, aber zumindest
hier in Hogwarts ist davon auch nichts zu spüren."
Sie packte Jean am Arm.
"Warum hast du das auf den Zettel geschrieben und dann nicht eingeworfen?
Wenn du so unvorsichtig bist, dann musst du dich auch nicht wundern, Ben."
"Ich habe das nicht geschrieben", sagte Jean voll unter drückter Wut.
"Hörst du mir denn nicht zu?
Ich habe überhaupt nichts auf einen der Zettel geschrieben."
"Aber es ist deine Schrift", beharrte Lilly.
"Ich weiß", zischte Jean und riss sich los.
"Und ich verstehe es genauso wenig wie du."
Der Zettel stammt aus der kleinen Rolle Pergament, die ich für Notizen benutze.
"Ich habe ihn abgerissen und stundenlang darüber gebrütet, was ich draufschreiben soll,
und dann … dann … ist mir was dazwischen gekommen."
"Ja", meinte Lilly gedehnt, "so hörte man."
Jean sprang auf, doch widergriff ihre Freunde nach ihrem Arm und zog sie zurück auf die
Bank.
"Tue so, als wäre nichts", flüsterte sie eindringlich, "ich glaube dir ja."
Jean atmete mehrmals tief durch.
"Ich hatte mir vorgenommen, all das dumme Geschwärts zu ignorieren.
Wieso sollte ich mir das Leben nach diesem hörlischen Phopan auch schwerer machen wollen?"
"Aber warum steht der Aktmalerei auf dem Zettel?"
"Frag mich was leichteres."
"Aber … aber über Malerei habe ich tatsächlich nachgedacht, nach dem ihr bei mir wart."
Lilly ranzelt die Stirn.
"Wieso das?
Du hast mir nie erzählt, dass du was für Malerei übrig hast.
Malerei im Allgemeinen und Aktmalerei im Besonderen."
"Hab ich auch nicht", sagte Jean eindringlich.
"Ich werde es dir später in Ruhe erklären, wie es dazu kam.
Sie machte eine Pause, um sich zu beruhigen."
"Mach was", meinte sie dann, "ich kann es dir auch genauso gut jetzt erzählen.
Ich habe etwas über Malerei gelesen.
Eigentlich war es nur so ein fernöstliches Sprichwort.
Folge dem Maler, dessen Pinsel dir den Weg weist oder so ähnlich."
Sie hatte den Spruch mit voller Absicht ein wenig verfremdet und das Wort "Zukunft"
ganz ausgespart.
Severus wusste schon mehr, als gut für ihn war, Lilly durfte erst recht nichts erfahren.
"Hast du den schon mal irgendwo gehört?"
"Sagt mir nichts", erwiderte ihre rotarige Freundin Schulterzuckend.
"Woher hast du ihn?
Aus Brühereskalender für fernöstliche Weisheiten?
Aus einem Glückskeks."
"Hätte ich mir denken können, Lilly grimmste ansüglich.
Klingt ein wenig anstößig.
Der Maler wird dir den Weg weisen mit seinem Pinsel."
Sie unterdrückte mit Mühe ein Lachen.
"Kein Wunder, dass du auf Akmalerei kommst."
"Akmalerei ist nichts Unanständiges.
Sie hat nicht mal was mit ... Sex zu tun", Jean hauchte das Wort nur.
"Aber wie ist das Wort auf deinen Zetteln gelangt?", fragte Lilly jetzt wieder ernsthaft.
"Ich bin mir nicht sicher.
Kann ihn die jemand aus der Tasche gezogen haben auf dem Weg hierher?
Jemand, der möchte, dass du dich so richtig blamierst?"
"Glaub mir, der Gedanke ist mir auch schon gekommen.
Aber der oder diejenige muss ein großartiger Zauberkünstler sein.
Der Zettel steckte in der Innentasche meines Umhangs.
Ich hätte es gemerkt, wenn jemand ihn daraus entfernt hätte, mit der Hand oder durch Magie.
Hätte das Knistern des Perkermens gehört, nein, der Zettel war die ganze Zeit an Ort und Stelle."
"Nah, dann weiß ich auch nicht", meinte Lilly nachdenklich.
"Lass uns später im Aufenthaltsraum weiter darüber reden, ja?"
Lilly nickte.
"Was ich jetzt mache hiermit?"
Brediger hielt den Zettel hoch.
"Ich nicht weiß, was bedeuten ... Schwere Malerei, oder was?"
"In 'Dumb Strong' interessiert ihr euch anscheinend nicht für die schönen Künste.
Es geschah nicht oft, dass Sirius Black beim Essen das Wort ergriff.
Mit den Mädchen seiner Klasse sprach er nicht besonders oft, weswegen er von ihnen
auch als Hochnäßig bezeichnet wurde.
Wenn du in Boberton zur Schule gehen würdest, wirst du es du's."
"Ich bin keine Franzosin", erwiderte Brediger.
Sie klang gekränkt.
"Aktmalerei ist die Malerei von nackten Körpern", sprang Remus ein.
"Frauen oder Männer, ganz egal.
Akt kommt aus dem Dateinischen von Actus.
Körper werden in Bewegung dargestellt oder im Sitzen.
Dabei geht es nicht primär um die Nacktheit, eher er hat es einen naturwissenschaftlichen
Anreiz.
Musken zum Beispiel, wie soll man die malen, wenn der Körper bedeckt ist?"
"Woher weißt du so etwas?", wollte Brüder von ihm wissen.
"Meine Mutter mal selbst gern", gab der junge Lupin Axel Zuck und zur Antwort.
"Sie hat mir das mal erklärt, als ich mich darüber lustig machte, dass sie nackte
Typen malte."
"Also was ich jetzt mache mit Zettel", kam es erneut von Brediger.
"Ich kenne Malen nicht, Kochen ist mir lieber."
"Dann nimm doch deinen Kochkurs", meinte James und war für einen leeren Zettel über
den Tisch zu.
"Aber pass auf, dass du das Wort richtig schreibst, K-o-t-z."
"Danke, ich weiß, wie sich schreibt."
Brediger schrieb erneut, Koch kurz auf das Parlament, stand dann auf und verließ den
Tisch, um es einzuwerfen.
Den Zettel, den sie von Jean bekommen hatte, reichte sie ihr vorher zurück.
Wie ihn untersuchte ihn ausgiebig und erstimmte, was Lely gesagt hatte, das war ganz deutlich
ihre Handschrift.
Aber wie konnte ihre Schrifter stehen, wenn sie das Wort nie geschrieben hatte?
Nun, darüber würde sie später nachdenken.
Professor McGonagall schlug mit einem Löffel gegen ihr Wasserglas und das Stimmengewürbrach
ab.
"Ich darf Sie alle daran erinnern, dass Sie nur noch eine Viertelstunde Zeit haben,
Ihre Wünsche für morgen, Samstag und Sonntag zu Bergament zu bringen.
Wenn die Turmuhr um Punkt Viertel vor acht schlägt, ist das Kästchen versiegelt und
wir Professoren werden sie auszählen.
Morgen früh werden dann die Ergebnisse verkündet.
Ich wünsche Ihnen eine gerusame Nacht.
Wir haben Wachposten eingerichtet, die durch das Schloss patrouillieren, fügte sie noch
hinzu.
Gerade die Ravenclaws und Gryffindors, die ihre Schlafseile in den Türmen haben, werden
gebeten, darauf zu achten, wenn während der Nacht Dachziegel fallen oder das Gemäuer
auf andere Weise beschädigt wird.
Hogwarts ist alt und obwohl die Mauern dick sind, kann eine Menge passieren.
Öffnet niemals ein Fenster und haltet euch von der Eulerei fern.
Sie wurde versiegelt und für die Vögel ist gut gesorgt."
Die Halle lehrte sich zusehends.
Alle Schüler, die noch Zettel hatten, wollten sie möglichst schnell loswerden.
Der Herz streicht Jean den Koch kurz durch, sodass man jetzt nur noch die Aktmalerei lesen
konnte.
Wenn es ohnehin schon in aller Munde war, warum sollte dann dieser Zettel nicht auch
seinen Weg in Dambel das Kästchen finden?
Beim Verlassen der großen Halle sah Jean sich nach Severus um.
Sie musste unbedingt mit ihm sprechen, jedoch war anirgends zu sehen.
Nachdem sie ihren Zettel eingeworfen hatte, das Kästchen war in der Tat magisch vergrößert
worden, suchten ihre Blicke erneut den Slytherin in den Gruppen von Schülern, die herum standen
und schwatzen.
Unzählige Augenpaare waren derweil auf sie gerichtet.
Die meisten Schüler grinst nur hämisch, die Jungs boxen sich gegenseitig auf die Oberarme
oder in die Seiten, die Mädchen zupften einander am Umhang und kicherten.
Aber alle hatten nur einen Thema, sie.
Jean versuchte sie alle zu ignorieren, wo zum Teufel steckte Severus, hatte sie ihn
tatsächlich verpasst.
Lilly fand sie mitten in der großen Halle stehend.
"Ich geh jetzt hoch, kommst du mit?
Ich brenne dafür, mehr über diesen Zettel zu erfahren, den du nicht geschrieben hast.
Ich komme gleich nach Lilly, aber ich möchte noch kurz mit Severus reden, es ist wichtig."
"Kann ich mir vorstellen", meinte Lilly leise, "viel Glück und ich bin für dich da.
Danke."
Natürlich glaubte Lilly, dass Jean wegen der Geschichte vom Nachmittag mit Severus
reden wollte, Jean wollte sie in diesem Glauben lassen.
Lilly verschwand die Marmotreppe hinauf, gefolgt von Mary und Pryor.
Der letzte Zettel war eingeworfen und die meisten Schüler strömten zurück in ihre Häuser.
"Er ist einfach gegangen", dachte Jean wie betäubt.
Wahrscheinlich hat er schon längst die Gerüchte gehört und ist einfach abgetaucht, bevor
ich mich ihm nähern konnte.
Er will nicht mit mir zusammen gesehen werden, weil sie dann auch wieder anfangen, über
ihn zu lachen.
"Verständlich, aber sie musste ihn sprechen unbedingt.
Der Trank, von dem sie nicht mehr wusste, wo er sich befand, konnte gefährlich sein.
Obwohl sie zu nichts weniger Lust hatte, folgte sie einer Gruppe von Schülern des Hauses
Kildedran durch den abschüssigen Gang an den Toiletten vorbei in Richtung der Kerke."
"Du da", sagte sie zu dem letzten kurz bevor die Tür zum Gemeinschaftsraum vor ihrer
Nase ins Schloss fiel und tippte dabei einen breit gebauten Fünfklässler auf die Schulter.
Der Junge drehte sich zu ihr um und sah von oben auf sie herab.
Jean kannte mittlerweile sämtliche Gesichter im Schloss, aber selten die dazugehörigen
Namen.
Wollte sie auch nicht.
Sie wollte hier nicht alt werden.
Hätte Dumbledore jetzt vor ihr gestanden und sie gefragt, ob sie lieber Hermine Granger
oder Jean Pearlman sein wollte, so hätte sie gewusst, was sie antworten würde.
Eine Bücher verliebte streberische 14-Jährige mit überbiss- und hässlichen Haaren war ihr
lieber als eine recht ansehnliche, aber notgeile 13-Jährige, die nicht wusste, wohin mit ihrer
Abartigkeit.
"Was willst du denn?", fragte der Typ amüsiert und so laut, dass die Tür von innen wieder
aufgestoßen wurde und gleich mehrere andere Slytherins und Dermstrengs neugierig hindurchspähten.
"Wirst du auf der Suche nach ein paar gestandenen Männern, die deine Kier befriedigen können,
dann bist du hier goldrichtig."
Er liest die Tür weit aufschwingen und ein Polk grinsen der Jungs und junger Männer sammelten
sich um sie beide herum.
"Holt mir Severus Snape", befahl sie mit bebender Stimme, "Ich muss mit ihm reden."
"Ach, reden" nennt man das heutzutage, Baron Keane schubste ein paar jüngere Buben
beiseite und kam vor Jean zum Stehen.
"Bist du dir sicher, dass es der ist, den du suchst?
Den Henfling mit dem Zauberstab im Arsch?
Jetzt, da du nicht mehr so pot-head!"
bis ich mich selbst anbieten. Jean musste an sich halten, den arroganten Schnöseln nicht
Schnecken spucken zu lassen. Doch sie zwang sich, ruhig zu bleiben und wiederholte ihre Forderung.
Im Gemeinschaftsraum der Kellerkinder schien es sich derweil, wie ein Lauffeuer herumgesprochen
zu haben, wer dort vor der Tür stand und was das Begea jener Person war, denn nur einen Moment
später erschien Eienmulzippe an der Tür. "Dein Angebeteter ist nicht hier, du geiles Stück!"
Allgemeines Gelächter. Mulzipas Gesicht war fleckig rot und sein hermisches Grünsen reichte
von einem Ort zum anderen. "Du lügst! Er ist nicht hier, dumm Vatze!" Man hörte,
wie manche von den Umstehenden scharf die Luft einsogen. Solch schlimme Beschimpfungen
hörte man selten in diesem altehrwürdigen Schloss. Jean zuckte vor so viel Hämme zurück.
"Aber vielleicht willst du ja trotzdem reinkommen," lief ein anderer, dem Akzent nach aus Dermed
Strang stammender Junge aus einer der oberen Klassen. "Wir könnten schöne Dinge machen,
wir alle zusammen." So weit war es also gekommen. Sie wurde als die Schloss-Motratze angesehen.
Kein Wunder, dass Severus sich von ihr fernhielt. Wahrscheinlich versteckte er sich in einem
Kleiderschrank oder ins Slakkonsbüro. Er berupte, wandte sich Jean ab. Entweder
logen die alle und sie konnte sowieso nichts dagegen tun oder sie versuchte es im Labor
bzw. dem Klassenraum für Zaubertränke. Wenn sie Severus dort nicht fand, musste sie eben
unverrichteter Dinge wieder gehen. Es war ein langes Wochenende. Er konnte sich nicht ewig
vor ihr und ihrer Lüsterneid verstecken, dachte sie bitter. Sie ließ die garstigen
Hormon-Versäuchten möchte gern Männer stehen und alte tiefer in die Kerker hinein. Natürlich
fand sie das Klassenzimmer abgeschlossen vor und das Labor hatte keine eigene Tür.
Kein Lichtschimmer war unter der Tür zu sehen. Jean klopfte an und rief leise nach Severus,
doch kein Laut war zu hören. Es blieb dunkel. "Na gut, dann werde ich ihn morgen noch vor dem
Frühstück abfangen," dachte sie gedähmütigt, als sie kehrt machte und den Weg zurück zur
Eingangshalle einschlug. Die ekelhaften Slytherins und Darmstranks hatten sich glücklicherweise
verzogen, sodass sie unbehelligt in der Halle anlangte. Nun, zumindest fast unbehelligt.
Gerade als sie am Mädchenklo vorbeiging, hörte sie das Knarren einer Tür. Sie blickte
nach links und fand sich Auge in Auge mit Severus Snape.
Kapitel 226. Wenn es weh tut, ist es keine Liebe. Die Schrecksekunde, die auf die unverhoffte
Begegnung folgte, wehrte schier endlos. Dann erhob Jean die Stimme und fragte, was machst
du auf dem Mädchenklo, Seth? Er sagte nichts. Die Antwort war ohnehin klar. Severus blick
flackerte wie die Dutzenden von Fackeln in den Haltern um sie herum. Er versuchte ihr
in die Augen zu sehen, doch sie vermutete, dass er bloß einen Punkt über ihre Nasenrücken
anvisierte. "Du hast wohl gehofft, mir nicht begegnen
zu müssen." Er atmete tief durch und schluckte. Jean
wartete. "Es hat keinen Zweck zu lügen," sagte er dann langsam. "Es stimmt, ich bin
dir absichtlich aus dem Weg gegangen. Du weißt bestimmt was wegen."
"Das ist so typisch für dich," zischt er Jean ohne nachzudenken. Sie reagierte einfach
nur. Mittlerweile haste sie Andeutungen und Anspielungen. Seine ganze Subtilität war
vollkommen Fehl am Platz. "Du kannst es noch nicht mal aussprechen."
Seine Augen wurden schmal vor Abscheu. "Ich hatte nicht vor es auszusprechen. Diese
ganze Unsägliche. Ich habe mich dabei erwischen lassen, wie ich es mir selbst besorgt habe,"
fies sie ihm ins Wort. Und? In Gedanken hatte sie sich diesen Satz hundertmal selbst
vorgesagt, damit er sah es, wenn es darauf ankam. Eine Hollunda-Hexe waren solche Dinge
nicht peinlich. Sie musste noch in ihre Rolle hineinwachsen, doch eines hatte sie zumindest
verstanden. Sie würde nicht vor ihr davonlaufen können. Je schneller sie sich mit dem Schicksal
versöhnte, umso besser für sie. Oder sie warf den Elderstab in der nächsten Kamin und
reiste so schnell es ging nach London, um sich bei Olivander einen neuen zu holen, in der
Hoffnung dieser Möge verträglicher für sie sein. Da sie sich mit Letzterem nicht wirklich
anfreunden konnte, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich mit Variante eins zufrieden
zu geben. Sie war kein kleines Mädchen mehr. Ihre Kindheit war unliederbringlich vorbei.
Der von ihr ein studierte Satz zeigte seine Wirkung. Severus' Blick flackerte mehr
denn je, dann richtete er ihn je auf seine Füße. Und? wiederholte Jean. Sie versuchte
nicht, als so spöttisch zu klingen, was ihn nicht so ganz gelang. Hast du es dir noch nie
selbst gemacht? Sie wartete eine Weile, doch Severus erwiderte nichts darauf. Höchstwahrscheinlich
schon nehme ich an, aber du hast dich dabei nicht erwischen lassen. Sie dachte eine Weile
nach, heuchte auf das Knistern der brennenden Fackeln, dann fuhr sie fort. Du denkst, es
ist beschämend, dich mit einer wie mir abzugeben, die in den Augen deiner Hauskameraden nur
eine bessere Hure ist. Aber ich kann nichts dafür, wie ich bin und noch weniger was dafür,
was aus mir wird. Aber vergiss das. Wenn du damit nicht umgehen kannst, dann bist du
einfach nur ein Unreifer Junge, der seinen Zauberstab im Arsch trägt. Der von Baron
Keane entlehnte Satz zeigte seine Wirkung. Ihr gegenüber schnappte hörbar nach Luft.
Aber ich bin nicht hier, um über deine Unreife mit dir zu diskutieren. Beantworte mir nur
eine einzige Frage oder halt zwei. Und welche wären das, stieß Severus zwischen zusammengepressten
Kiefern hervor. Wann hast du deinen Zettel der Wünsche in das Hölz eine Kästchen eingeworfen?
Diese Frage hatte Jean eigentlich gar nicht stellen wollen, es geschah rein intuitiv.
Heute irgendwann am späten Nachmittag antwortete Severus kalt. Wann genau? Wieso? Beantwortet
die Scheißfrage. Seine dunklen Augen bohrten sich in ihre. Na schön, laut der Uhr, die
dort drüben für alle gut sichtbar an der Wand hängt war es zehn Minuten vor fünf.
Jean stockte der Atem. Wie konnte das sein? Aber jetzt wurde es schwieriger. War das Kästchen
schon voll? Du wolltest nur zwei Fragen stellen. Jean wiederholte die letzte mit erhobener Stimme,
die von den Wänden widerhalte und er gab nach. Es war schon recht voll. Mein Zettel
wollte kaum durch den Schlitz gehen. Ich musste mit der Hand dagegen schlagen,
damit er richtig reinging und ihn kein anderer wieder herausziehen konnte. Er musterte Jeans
vollkommen verblüftes Gesicht. Jetzt willst du sicher auch noch wissen, was draufstand, oder?
Nein, wollte sie nicht. Was ist mit dem Fläschchen voll Trank der lebenden Toten passiert,
dass ich bei Mops im Nordturm gefunden habe während der Weihnachtsferien? fragte Jean,
für ihn wahrscheinlich völlig übergangslos. Sie hatte genug über das Hölz seine Kästchen
mit dem engen Schlitz gehört. Severus legte den Kopf leicht schief. Das musste überraschend
für ihn kommen. Wie bitte? Du hast gehört, was ich gesagt habe. Jean bis sich auf die
Innenseiten ihrer Wangen und wartete. Das fragst du mich? Er stieß ein unglaubiges Lachen aus.
Das frage ich dich, bestätigte sie scheinbar mit Engels Geduld. Innerlich zitterte sie schon vor
der Antwort. Sie sah ihm an, dass er tausend Fragen hatte. Woher soll ich wissen, was du mit dem Zeug
gemacht hast, schnaubte Severus. Vielleicht habe ich mich auch getäuscht und es war gar kein Schlaftrank.
Vielleicht war es genau das Gegenteil. Vielleicht handelte es sich um einen ziemlich gut gebrauten
Liebes, um nicht zu sagen Lüsternheitstrank. Und vielleicht hast du ihm ein bisschen zu viel
zugesprochen. Es klatschte laut, als Jean Severus eine saftige Backpfeife zuteilwerden dies. Das Geräusch
wurde von den Wänden um sie herum vielfach zurückgeworfen. Obgleich der Schlag hart gewesen war,
flog Severus' Kopf nicht zur Seite. Er hob auch nicht seine Hand und berührte damit die Stelle,
wo Jean ihn getroffen hatte, wie es wohl die meisten Menschen getan hätten. Im Licht der
Fackeln waren die fünf Finger von Jean's rechte Hand sehr gut auf seinem blassen Gesicht zu erkennen.
Du weißt also auch nicht, wo das Flaschen abgeblieben ist. Schloss sie jetzt wieder ganz ruhig.
Es war eher eine Feststellung als eine Frage. Severus schüttelte wie in Zeitlupe den Kopf.
Die Ohrfeige hatte er noch nicht verdaut. Schade, sagte Jean langsam. Sehr, sehr schade.
Du hast ihm wirklich eine gelangt? Lilly und Jean saßen auf ihren Lieblingssesseln vom
Kamin im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Das Knistern und Knacken des Feuerholzes dämpfte
ihre Stimmen und das Roch nach altem Harz. Wieso? Er wurde frech. Lilly starbte sie an.
Sie lächelte nicht. Was genau hat er denn gesagt, um dich dermaßen auf die Stechpalme zu bringen?
Er bezeichnete mich als Lüstern. Was du ja auch bist. Entschuldige. Noch immer lächelte
Lilly nicht. Warum auch? Sie war im Recht. Er hat es noch etwas anders gesagt,
mummelte Jean unwirsch. Ich will nicht mehr darüber reden. Sicher? Manchmal ist es besser
zu reden, auch wenn es unangenehm ist, bot Lilly an. Ich habe dir von dem Zettel erzählt,
nahm Jean das Gespräch von eben wieder auf. Ja, darüber sprachen wir. Und ich glaube immer
noch, dass dein Zauberstab dafür verantwortlich ist. So wie du auf dem Zettel rumgetappt hast,
wie du sagtest. Es ist mir erst vorhin wieder eingefallen, aber von einem solchen Zauber
habe ich noch nie gehört. Da finde ich die Möglichkeit, dass das unsichtbare Tinte in
meinem Notizbuch gewesen ist, fast ebenso plausibel. Aber jetzt sag mir bitte, warum
Aktmalerei? Das sagte ich doch schon beim Essen. Ich habe diesen, du hast einen Glückskriegs
gegessen und auf dem Zettel stand was mit Malen, leierte Lilly herunter. So war es.
Dann habe ich übers Malen nachgedacht, dass, dass es doch eigentlich ganz schön wäre.
Und der Hollunderstab hat eben mal Aktmalerei daraus gemacht? Er ist ziemlich versaut,
habe ich festgestellt. Remus sagte doch, ein Akt hat nichts Anrichtiges an sich. Er ist
Kunst. Für mich hat alles, was mit Nackteil zu tun hat, mit Sex zu tun. Aber du hast
den Zettel wirklich reingeworfen? Wie sollen die Lehrer herausfinden, dass ich es bin
von der erstand? Vielleicht erkennen ein paar von ihnen deine Schrift wieder. Vielleicht
ist es mir ja Schnurz piep egal. Jean machte Anstalten sich aus ihrem Sessel zu erheben.
Manchmal Jean machst du mir Angst, Lilly blickte sie versonnen an. Du solltest dir und Zef
mal eine Art im Pause gönnen. Sonst könnte es sein, dass es so läuft wie bei ihm und
mir, dass ihr euch verliert. Ihr habt euch wiedergefunden, war Jean's lapidare Antwort.
Wie du meinst, Lilly presste die Lippen zusammen. Aber denk dran, wenn es weh tut, ist es keine
Liebe. Jean ließ Lilly am Kaminfeuer zurück und
alte hinauf in den Schlafsaal. Prédica und Brüher waren auch da. Erstere war guter Dinge
und redete verzückt über die kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Balkanstaaten. Letztere
warf Jean einen bösen Blick zu und ignorierte sie fortan völlig. Jean tat dasselbe. Sie
ging geradewegs zu ihrem Schrankkoffer und packte ihn zum zweiten Mal an diesem Tag
aus, allerdings nur bis ungefähr zur Hälfte. Jede Hose nahm sie einzeln heraus und legte
sie auf einen Stapel. Es waren vier Paar. Dann begannen sie damit systematisch deren
Taschen umzudrehen. Zunächst die vorderen, dann fuhr sie mit ihren Händen in die hinteren,
obwohl sie nie etwas dort hineinsteckte. Eine um die andere Hose wurde von ihr gefilst.
Nichts.
"Suchst du etwas?" Prédica sah ihr neugierig über die Schulter. "Ja, noch einen Zettel?"
"Nein." Jean wandte sich wieder dem Schrankkoffer zu und nahm alle Pullis heraus. Sie hatte
zwei mit Taschen an den Seiten, aber auch da war nichts zu finden.
"Ich kann dir helfen suchen," bot Prédica großzügig an. "Frag mich, ob ich habe
was gesehen?" Jean solfste.
"Ich dachte, ich hätte noch einen Schokofrosch."
"Oh, ich habe keine Schokolade. Willst du bohnen?"
"Bohnen?"
"Leckere bohnen," Prédica riep sich den Magen. "Sehn von Bertie Bott?"
"Ah, die. Nee, danke, ich bin nicht so für Überraschungen. Und wenn man einen Jab
auf Schokolade hat, sind Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung ein schlechter Ersatz.
Frustriert stöhnen warf Jean alle Kleidungsstücke wieder in den Schrankkoffer zurück. Jetzt
sah er wieder nicht mehr so ordentlich aus."
"Wirst du bald bluten?" fragte die Bulgarin ganz unbefangen. "Du bist so aggressivisch."
"Gut möglich," antwortete Jean ebenso unbefangen. "Da hat man schon mal Gelüste und ist aggressiv.
Das ist ganz normal."
"Ich hätte schreiben sollen Backkurs," sagte Prédica, wie zu sich selbst und kehrte
zu ihrem Bett zurück. Jean lachte, doch es war ein gezwungenes Lachen. Marry Murphy's
Schlaftrunk war spurlos verschwunden.
Nox
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nächsten Geschichte, deine Jana.
Podbean